Einblicke in die Lebensrealitäten dahinter.

„Ich hatte Angst vor jedem neuen Tag.“

Eine Bewohnerin erzählt – anonymisiert

Als Frau M. zu uns kam, war sie am Ende ihrer Kräfte. Seit ihrer Kindheit hatte sie Gewalt erlebt – erst durch den Vater, später durch mehrere Partner. Schon früh musste sie lernen, dass sie sich auf niemanden verlassen konnte. Die jahrelangen Misshandlungen, ständige Demütigungen und emotionale Vernachlässigung hatten tiefe Spuren hinterlassen. Sie litt unter einer schweren Depression und einer posttraumatischen Belastungsstörung – beides blieb lange Zeit unbehandelt.

Nach der Trennung von ihrem letzten Partner lebte sie monatelang auf der Straße. Sie schlief in Eingängen, in Wartehallen, bei Fremden – immer mit der Angst, erneut übergriffigen Männern zu begegnen. Ihr Körper war erschöpft, ihr Geist voller Schuld und Scham. Ihre wichtigsten Dokumente hatte sie längst verloren, die Krankenversicherung war abgelaufen. Eine geregelte Mahlzeit, ein Ort zum Duschen, ein sicheres Bett – all das war plötzlich Luxus.

Als sie bei uns aufgenommen wurde, konnte sie kaum Blickkontakt halten. In den ersten Wochen sprach sie fast gar nicht. Sie schlief viel, aß wenig, zuckte bei jedem lauten Geräusch zusammen. Doch sie war endlich in Sicherheit – zum ersten Mal seit langer Zeit.

Mit viel Geduld, strukturierter Begleitung und therapeutischer Unterstützung begann sie langsam, sich zu stabilisieren. In Gesprächen mit unserer Sozialarbeiterin entwickelte sie neue Perspektiven: Schritt für Schritt erarbeitete sie sich ihre Rechte zurück, stellte Anträge, begann eine ambulante Therapie, ließ sich medizinisch versorgen.

Es war ein langer Weg. Immer wieder gab es Rückschläge – Tage, an denen sie nicht aufstehen konnte, Nächte voller Albträume. Doch sie hielt durch. Und sie lernte, dass sie nicht schuld ist an dem, was ihr passiert ist.

Heute, drei Jahre später, lebt Frau M. in einer eigenen kleinen Wohnung. Sie nimmt weiterhin therapeutische Hilfe in Anspruch, engagiert sich in einer Selbsthilfegruppe und träumt davon, irgendwann wieder arbeitsfähig zu sein.

Sie sagt:
„Ich habe so lange gedacht, ich bin nichts wert. Heute weiß ich: Ich habe überlebt – und das ist meine größte Stärke.“

„Tiefer kann man nicht fallen.“

Eine Bewohnerin erzählt – anonymisiert

Frau B. war Sozialarbeiterin. Jahrelang hatte sie anderen geholfen, Krisen zu bewältigen – bis sie selbst in eine geriet, aus der sie nicht mehr herausfand. Ihre Drogenabhängigkeit entwickelte sich schleichend, über viele Jahre hinweg. Irgendwann konnte sie ihre Arbeit nicht mehr ausüben. Die Krankheit nahm ihr nach und nach alles: ihre berufliche Perspektive, ihre sozialen Kontakte, ihre körperliche Gesundheit.

Ihrer Erkrankung führte zu starker körperlicher Einschränkung, die eine Gehbehinderung mit sich zog. Dennoch lebte sie weiterhin allein in einer Wohnung im zweiten Stock. Ohne Aufzug. Schließlich verlor sie auch diese Wohnung.

Als Frau B. zu uns kam, war sie körperlich geschwächt, psychisch am Boden und völlig perspektivlos. Sie war nicht nur wohnungslos, sondern zutiefst verzweifelt, voller Scham und Selbstzweifel. Der Verlust ihrer Autonomie, ihrer Würde und ihrer Identität als Helfende hatte tiefe Wunden hinterlassen.

Bei uns fand sie zum ersten Mal seit Langem einen sicheren Ort – und Menschen, die sie nicht auf ihre Sucht oder ihre Behinderung reduzierten. Mit viel Einfühlungsvermögen, Geduld und professioneller Unterstützung schaffte sie es, sich wieder aufzurichten. Sie nahm eine Entwöhnungstherapie in Anspruch, wurde trocken, begann wieder, an Gesprächen teilzunehmen und sich mit ihrer Lebensgeschichte auseinanderzusetzen.

Langsam kehrte ein Stück Selbstachtung zurück. Sie lernte, Hilfe anzunehmen und darauf zu vertrauen, dass sie trotz aller Verluste ein Leben mit Sinn und Würde führen kann.

Heute lebt Frau B. in einer barrierefreien Wohnung. Sie ist weiterhin abstinent, nimmt regelmäßig medizinische und therapeutische Unterstützung in Anspruch und hat wieder neue Perspektiven.
„Ohne diesen Ort hätte ich das nicht geschafft“, sagt sie. „Ich war am Ende, aber ich wurde hier aufgefangen.“

Heute lebt Frau L. in einer betreuten Wohnform, nimmt psychologische Unterstützung an und denkt langsam über ihre berufliche Zukunft nach. Sie sagt:
„Ich dachte, ich hätte keine Chancen mehr. Aber hier habe ich gelernt, dass es immer einen Weg gibt, neu anzufangen.“

Zwischen Heimatlosigkeit und Neubeginn

Eine Bewohnerin erzählt – anonymisiert

Frau L. ist gerade 19 Jahre alt, als sie zum zweiten Mal in ihrem Leben alles verliert, was für sie nach Zuhause aussieht. Ihre Kindheit war geprägt von Instabilität: Vernachlässigung, Streit, häufige Wechsel in verschiedenen Wohngruppen. Ein wirkliches Zuhause hat sie nie gekannt. Kurzzeitig lebte sie wieder bei ihren Eltern – doch die Rückkehr bot keine Sicherheit.

Dann, ohne Vorwarnung, wird sie rausgeschmissen. Kein Platz mehr, keine Perspektive, keine Zukunft. Ohne Schulabschluss oder Ausbildung steht sie plötzlich auf der Straße – verloren, allein und verzweifelt. Die Tage sind geprägt von Unsicherheit, die Nächte von Angst und Kälte.

Als sie zu uns kommt, ist sie still, verschlossen und misstrauisch. Sie hat gelernt, niemandem zu vertrauen, schon gar nicht sich selbst. Doch hier bekommt sie Zeit und Raum, um sich langsam zu öffnen. Mit Unterstützung beginnt sie, Schritt für Schritt wieder Halt zu finden.

Wir begleiten sie bei Ämtergängen, bei der Suche nach therapeutischer Hilfe und bei der Suche nach einer eigenen Wohnung. Sie lernt, ihren Alltag zu strukturieren und wieder an eine Zukunft zu glauben. Noch ist vieles unsicher – aber sie kämpft. Für eine zweite Chance, für ein Stück Heimat, das sie selbst gestalten kann.