Digitale Gewalt ist keine neue Form von Gewalt. Sie ist die Fortsetzung … mit neuen Mitteln.

Wenn wir bei #SkFSaarland mit Frauen sprechen, die zu uns kommen, hören wir zunehmend Sätze wie: „Er hat mein Handy überwacht.“ „Er drohte, die Fotos zu verschicken.“ „Ich war ja bei Ihnen, aber er hat mich geortet.“ Selbst Hilfe zu suchen, ist schwieriger. Die Gewalt noch weiter. Digital.

Das ist kein Einzelfall. Von digitaler Gewalt waren in Deutschland allein im Jahr 2023 bereits 17.193 Frauen betroffen -> ein Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. BKA Die Zahlen für 2024 zeigen, dass sich dieser Trend fortsetzt: 18.224 Frauen und Mädchen waren betroffen, und im Fünfjahresvergleich hat sich die Opferzahl mehr als verdoppelt. BMI Was wir sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs: Die Anzeigequote liegt meist unter zehn Prozent, bei Partnerschaftsgewalt sogar unter fünf Prozent. BMI

Digitale Gewalt ist kein einzelnes Problem.

Sie ist Stalking per GPS-Tracker. Sie ist die Drohung, intime Aufnahmen zu veröffentlichen. Sie ist Kontrolle über das Smart Home, über Nachrichten, über jeden Schritt. Cyberstalking, die angedrohte oder tatsächliche Veröffentlichung intimer Fotos, Deepfakes, … Digitale Mittel erhöhen die Effektivität von Gewalthandlungen massiv. bpb Und sie hört nicht auf, wenn eine Frau die Tür zu Hilfestellen hinter sich schließt.

👉 Entscheidend ist dabei: Digitale und analoge Gewalt sind keine getrennten Welten. Die meisten Betroffenen von Gewalt im sozialen Nahraum erleben beides:

analoge und digitale Gewalt verschränken sich, verstärken sich gegenseitig, und digitale Gewalt kann jederzeit und unabhängig vom Standort des Täters ausgeübt werden. bpb

Genau das macht sie so gefährlich, besonders in Hochrisikofällen, wo digitale Ortung und Cyberstalking lebensgefährlich werden können.

Was das für unsere Arbeit bedeutet.

Als SkFSaarland, der Beratung bietet für betroffene Frauen anbietet, können wir digitale Gewalt nicht als Randthema behandeln. Sie ist Bestandteil jedes zweiten Beratungsgesprächs. Unsere Fachkräfte brauchen technisches Know-how.

Betroffene brauchen mehr als einen Rat, sie brauchen konkrete erste Schritte: Passwörter ändern, nach Trackern suchen, das Smart Home vom Netz nehmen, eine No-Signal-Hülle für das Handy nutzen. Bei einem iPhone ist eine Sicherheitsprüfung direkt in den Einstellungen möglich.

Und in jedem Fall: Polizei und Beratungsstellen aufsuchen.

Aber ehrlich gesagt reicht das nicht. FHK-Fortbildungen für Fachkräfte in Frauenhäusern zum Erkennen von Stalking-Apps, zur Gerätesicherung, zum besseren Schutz der Betroffenen werden ab Mitte 2026 nicht weiter finanziert. Frauenhauskoordinierung e.V.

Das ist ein Rückschritt, den wir uns nicht leisten können! ‼️

Unsere klare Haltung: Das System muss liefern.

Für viele Formen digitaler Gewalt fehlt nach wie vor ein wirksamer strafrechtlicher Schutzrahmen. Frauenhauskoordinierung e.V. Der vorliegende Gesetzentwurf zu digitalem Gewaltschutz legt den Fokus auf individuelle Rechtsdurchsetzung. Das bedeutet, Betroffene müssen selbst aktiv werden, obwohl sie oft ohnehin schon unter den Folgen der Gewalt leiden. Frauenhauskoordinierung e.V. Das ist die falsche Richtung.

Ich fordere gemeinsam mit der Frauenhauskoordinierung: Bund und Länder müssen eine bedarfsgerechte Finanzierung der Frauenhäuser und Fachberatungsstellen für die Beratung zu digitaler Gewalt sowie Fortbildungen zu digitaler Gewalt bei Polizei und Justiz sicherstellen. Frauenhauskoordinierung e.V.

Digitale Gewalt ist nicht das Problem von morgen. Es ist das Problem von heute Nacht, in vielen Zimmern, vielen Wohnungen, vielen Beziehungen in diesem Land. Und wir können nicht warten.

Sie sind nicht allein. Und Sie müssen das nicht alleine lösen.

☎️ Wenn Sie selbst betroffen sind oder jemanden kennen, der Hilfe braucht: Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist unter 116 016 erreichbar — kostenlos, 24/7, in vielen Sprachen.

Wir hören zu. Und wir helfen — konkret.

Mehr zu unsere Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt unter Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt.

So erreichen Sie uns:

Richard-Wagner-Str. 23
66111 Saarbrücken
Tel.: 06 81/37 99 61 0
interventionsstelle@skf-saarland.de

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